Im Zug durch die Welt

Ein langsames, gemütliches Reisejournal

Wie bereits erwähnt, waren wir nicht nur einmal in Taschkent, sondern zweimal. Unser erster Besuch startete mit einer Fahrt im Nachtzug von Almaty nach Taschkent. Da es nicht unsere erste Fahrt in einem kasachischen Nachtzug war, fühlten wir uns schon fast ein wenig wie Nachtzugprofis. Wir wussten, wo die Bettwäsche versteckt ist, dass sich der Speisewagen sehr schnell füllt und die beliebtesten Mahlzeiten Laghman (uigurisches Nudelgericht) und Vareniki (russische Teigtaschen mit Kartoffelfüllung und Sauerrahm) sind. Vareniki waren leider ausverkauft, aber Zug-Laghman können wir wärmstens weiterempfehlen. Wir probierten auch Tschebureki (gefüllte Blätterteigtäschchen). Diese waren geschmacklich ganz ok, leider aber nicht ganz durchgegart und der vermutete Ursprung unser Verdauungsbeschwerden in Usbekistan.

Die Grenzkontrollen im Nachtzug waren eine interessante Erfahrung. Wir mussten die Türen unseres Abteils und unsere Gepäckstücke öffnen. Das WC war während der Kontrollen jeweils geschlossen. Der Reihe nach besuchten uns zuerst kasachische, dann usbekische Grenzbeamte. Die kasachischen Beamten waren gut ausgerüstet, sie hatten ein kleines Köfferchen, mit welchem sie die Pässe scannen und Passfotos aufnehmen können. Die usbekischen Beamten waren weniger modern ausgestattet, wurden dafür von hyperaktiven Drogenspürhunden begleitet, die nicht genau wussten, was ihre Aufgabe war. Schlussendlich waren die Beamten beider Länder aber auch einfach sehr neugierig, liefen (auffällig) oft an unserem Abteil vorbei und einige mutige Beamte kamen auch zu uns, um ein wenig zu plaudern.

Nach allen Formalitäten kamen wir auf die Minute pünktlich in Taschkent an. Wir wurden von obligaten „Taxi, Taxi, Taxi“-Rufen begrüsst. Glücklicherweise hat Taschkent eine U-Bahn, deshalb konnten wir den Taxifahrern entfliehen. Die U-Bahn Taschkents ist sogar recht berühmt, weil jede Station anders gestaltet ist. Früher durfte man aus Sicherheitsgründen die Stationen nicht fotografieren, diese Regel wurde zum Glück aber abgeschafft. So bestaunten wir auf der Fahrt in unsere Unterkunft also die Metro-Stationen und waren ausgesprochen froh, dass Usbekistan nicht nur das kyrillische Alphabet verwendet und wir endlich wieder Schriftzüge einfach lesen konnten.

In den folgenden Tagen (und während unseres zweiten Aufenthalts) erkundeten wir die Stadt, die Almaty einerseits gleicht, aber trotzdem ganz anders ist. Der islamische Einfluss ist nicht nur an der Kleidung der Menschen sichtbar, sondern auch in der Architektur. Über die ganze Stadt verteilt finden sich unzählige Moscheen und Medresen, teils historisch, teils modern. Wir besuchten den riesigen Chorsu-Basar, probierten Granatapfel- und Maulbeersaft (schmeckt fast wie süsser Wein!), gerieten zufälligerweise ins „Disneyland“ von Taschkent, wo wir entlang künstlicher Seen und Schlössern spazierten und Charaktere aus unzähligen Kinderfilmen sahen. Einen Abend verbrachten wir im Taschkent City Park, der in allen Farben beleuchtet wird und als Spaziermeile dient. In der benachbarten Taschkent City Mall kann alles gekauft werden, was das Herz begehrt: Luxusmode, koreanische Kosmetik oder Luxusautos. Wir begnügten uns mit einigen Lebensmitteln, um wieder mal zu Hause kochen zu können. Während unseres zweiten Aufenthalts in Taschkent mussten wir dringend Pakete nach Hause schicken: auch wenn Sophie versucht hatte, sich zurückzuhalten, hatte sich eine beachtliche Menge an Textilien angesammelt und unser Gepäck platzte aus allen Nähten. Nach einem missglückten Versuch bei unserem lokalen Postamt, versuchten wir unser Glück beim Hauptpostamt Taschkents. Trotz Sprachbarriere wurden wir mit wahnsinnig viel Geduld und Freundlichkeit unterstützt und konnten so unsere Pakete aufgeben. Die Postangestellte verstand sich so gut mit Sophie, dass sie meinte, Aurelio (der übrigens draussen warten musste) soll alleine weiterreisen und Sophie könne bei ihr in Usbekistan bleiben.

Essenstechnisch probierten wir in Taschkent das usbekische Nationalgericht Plov, ein sehr aromatisches Reisgericht mit diversen Toppings und das lang haltbare Brot Non, mussten sonst aber leider auf Schonkost zurückgreifen….

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