Im Zug durch die Welt

Ein langsames, gemütliches Reisejournal

Die Nacht im Zug von Izmir nach Ankara war zwar relativ ruhig, trotzdem schliefen wir nicht allzu tief. Gegen Mittag kamen wir dann aber in Ankara an. Nach einem Kaffee am Bahnhof machten wir uns per U-Bahn und Bus auf zu unserer Unterkunft. Während die U-Bahn hochmodern und fast menschenleer ist, sind die Busse in Ankara heiss, eng und der Fahrstil der Busfahrer doch eher gewöhnungsbedürftig. Auf jeden Fall muss man sich und das Gepäck gut festhalten und nicht in die Nähe der Türen stehen, da diese bei hohen Temperaturen während der Fahrt offen bleiben. Den Rest des Tages verbrachten wir damit, uns einzurichten. Wir kauften Essen in der türkischen Migros ein (die gibt es in der Türkei überall, inklusive dem gleichen orangen Logo) und wuschen wiedermal unsere Kleidung.

Leider hatte sich Aurelio eine Magenverstimmung eingefangen. Der folgende Tag war deshalb, abgesehen von einem Spaziergang von unserer Unterkunft im Botschaftsviertel bis zum Einkaufsviertel Kizilay im Stadtzentrum, nicht weiter ereignisreich. Unterwegs entdeckten wir einen wahrhaft edlen Shoppingtempel; dort konnte Sophie endlich ihre verbogene Sonnenbrille richten lassen. Im Gegensatz zu Izmir wirkt Ankara sehr kosmopolitisch. Während in Izmir türkische Läden und Restaurants das Stadtbild dominierten, gab es in Ankara auch viele “westliche“ Cafés, internationale Restaurants und englische Beschriftungen.

Am folgenden Tag besichtigten wir das Museum der anatolischen Zivilisationen und die Burg von Ankara. Von der Busstation Sihhiye machten wir uns zu Fuss auf dem Weg zum Museum und durchquerten dabei einen kleinen Markt, auf welchem fast ausschliesslich Metallwaren verkauft wurden. Das Museum beherbergt unzählige Fundstücke aus verschiedenen Epochen der anatolischen Geschichte, von der Steinzeit bis zu den Römern. Die grosse Sammlung von Orthostaten ist besonders beeindruckend. Vom Museum aus spazierten wir langsam den Berg hinauf, um die Burg Ankaras zu besichtigen. Wie sich herausstellte, wurde in den letzten Jahren am Fuss der Burg ein ganzes touristisches Quartier aus dem Boden gestampft, welches zuerst durchquert werden musste. Die Aussicht von der Burg war hingegen spektakulär, wir konnten ganz Ankara überblicken und realisierten erst jetzt, wie gross die Stadt eigentlich ist und wie viele Menschen in ihr leben.

Dummerweise wurde Aurelio im Café vor dem Museum der anatolischen Zivilisationen von einer Strassenkatze gekratzt / gebissen. Neben einer ärgerlichen allergischen Reaktion (geschwollene, rote Hand), fanden wir leider heraus, dass die Türkei ein Risikogebiet für Tollwut ist und entschieden deshalb am nächsten Morgen, die Hand zeigen zu gehen und auch zu fragen, ob eine Tollwut-Impfung angezeigt sei. Wir versuchten unser Glück zuerst im privaten Güven-Spital, da dieses eine Anlaufstelle für ausländische Patienten hat, wo Englisch gesprochen wird. Das Spital bietet leider keine Impfungen an und schickte uns deshalb (beinahe mitleidig) in ein staatliches Spital weiter. Im Ibn-Sina Universitätsspital verständigten wir uns zuerst mit Händen, Füssen und Google Translate, hatten dann aber das Glück, dass an diesem Tag die Studierenden des englischsprachigen Medizinstudiengangs anwesend waren. Es brach eine gewisse Aufregung aus und 7 (!) Studierende witterten ihre Chance, ausnahmsweise einen Patienten auf Englisch zu behandeln. Aurelio wurde in die Infektiologie geschleust, wo sich herausstellte, dass die Tollwutimpfung in der Tat angezeigt ist und sogar noch Immunglobuline verabreicht werden müssen. Wie die Studierenden uns erzählten, gehören Tollwutimpfungen aufgrund von Kratzern / Bissen in der Türkei aber zum Standardprogramm und müssen aufgrund des Risikostatus sehr häufig durchgeführt werden. Es gibt sogar einen designierten Impfpass nur für Tollwutimpfungen:

Nach der Verabreichung der Impfung und Immunglobuline unterstützte uns eine Studierende sogar noch beim Austritt und der Bezahlung der Behandlung (insgesamt 15 Franken). Da Aurelios letzte Tollwutimpfung bereits 8 Jahre her ist, muss er noch 3 weitere Impfdosen erhalten. Glücklicherweise passt das Impfschema zufälligerweise recht gut in unseren Reiseplan und die verbleibenden Impfungen können in Kars und Tbilisi verabreicht werden. Fazit: Vor Reisen in Tollwutgebiete die Impfung unbedingt auffrischen lassen (auch wenn sie als lebenslang gilt) und streunende Tiere (leider) nicht streicheln.

Da wir schon morgens das Spital aufsuchten und nicht allzu lange warten mussten, konnten wir, wie ursprünglich geplant, noch am selben Abend den Dogu-Express nach Kars nehmen. Pünktlich um 18 Uhr startete also unsere nächste, 26-stündige Etappe.

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