Im Zug durch die Welt

Ein langsames, gemütliches Reisejournal

Wie bereits erwähnt, war eine Weiterreise nach Aserbaidschan auf dem Landweg nicht möglich. Wir beschlossen, von Tiflis direkt nach Astana, in die Hauptstadt Kasachstans zu fliegen. Der Flug verlief recht interessant. Wir hatten uns mental darauf eingestellt, ihn schlafend zu verbringen, da er mitten in der Nacht stattfand. Lustigerweise wurde kurz nach Mitternacht ein Abendessen serviert. Schlafen war also offenbar nicht vorgesehen. Schon bald landeten wir in Astana, wo es aufgrund der Zeitverschiebung bereits 4 Uhr morgens war. Zum ersten Mal auf unserer Reise war uns kalt (es war 13 Grad und wir waren in Sommerkleidern). Um doch noch etwas schlafen zu können, hatten wir vorausschauenderweise ein Flughafenhotel gebucht und glücklicherweise war unser Shuttle vom Flughafen zum Hotel kuschlig warm beheizt. 

Wir konnten einige Stunden Schlaf nachholen und versuchten dann, per Bus ins Stadtzentrum von Astana zu gelangen. Auf die Frage, wie/wo wir Bustickets kaufen können, empfahl uns der Receptionist, einfach schwarz zu fahren, es werde sowieso nie kontrolliert. Da wir keinen Ticketautomaten fanden, hofften wir, wie in Georgien und der Türkei, kontaktlos mit einer Kreditkarte im Bus bezahlen zu können. Das war leider nicht der Fall; unsere Karten wurden vom Terminal im Bus abgelehnt und so mussten wir tatsächlich schwarzfahren. Der Bus wurde immer voller und prompt stieg eine Kontrolleurin zu. Wir entschieden uns, bei der nächsten Station auszusteigen. Da der Bus aber derart voll war, gelang dies nur Aurelio. Sophie fuhr eine Station weiter, die Kontrolleurin musterte sie sehr missbilligend, drückte wohl mangels Englischkenntnissen aber glücklicherweise ein Auge zu. Wir trafen uns wieder und gingen den restlichen Weg zu unserer Unterkunft zu Fuss. Das Problem mit den nicht erhältlichen Bustickets sollte uns während des ganzen Aufenthalts in Astana begleiten. Erst am letzten Tag fanden wir einen Weg, legal den Bus zu nehmen.

Ich will es genau wissen: Wie fährt man als Tourist Bus in Astana?

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, ein Busticket zu kaufen. Zum einen gibt es sogenannte TransportCards, welche an Automaten mit Guthaben aufgeladen werden können. Leider können sie nur an einigen Orten ausserhalb des Stadtzentrums gekauft werden, weshalb diese Option eher unpraktisch ist.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Avtobys-App zu nutzen. Dafür braucht man jedoch eine kasachische Telefonnummer, welche man mit dem Kauf einer Touristen-SIM-Karte erhalten kann. Auch diese App muss mit Guthaben aufgeladen werden. Dies kann man mit einer Kreditkarte tun. Leider nur mit einer kasachischen Kreditkarte…

Dieses Problem kann man mit einer weiteren App umgehen, der Qiwi-App. Die Qiwi-App kann ebenfalls mit Guthaben aufgeladen werden, das dann auf die Avtobys-App transferiert werden kann. Im Gegensatz zur Avtobys-App kann man die Qiwi-App auch mit Bargeld an speziellen (zum Glück sehr häufig vorkommenden) Automaten aufladen.

Das Vorgehen insgesamt läuft deshalb so:

  1. Kasachische SIM-Karte mit Telefonnummer besorgen
  2. Qiwi-App herunterladen und mit kasachischer Telefonnummer registrieren
  3. An Automaten mit Bargeld Guthaben auf die Qiwi-App laden
  4. Avtobys-App herunterladen und mit kasachischer Telefonnummer registrieren
  5. Guthaben von Qiwi zu Avtobys transferieren
  6. Ticket mit Avtobys-App kaufen

Mit einem Handy kann nur ein Ticket für eine Person gekauft werden. Man kann sich jedoch mit der selben Nummer auf mehreren Handys anmelden, und so für mehrere Personen Tickets kaufen.

In unserer Unterkunft angekommen, mussten wir uns eingestehen, wie wenig wir über Kasachstan wissen und wie erstaunt wir über unsere ersten Eindrücke von Astana waren. Wir waren umgeben von neuen, hochmodernen Wolkenkratzern, auf den Strassen folgte ein Café mit westlichen Desserts dem anderen und im Gegensatz zu den Ländern, die wir zuvor bereisten, sahen wir keinen Müll oder streunende Tiere auf den Strassen. Bei unserem ersten abendlichen Spaziergang fiel uns ebenfalls auf, wie viele koreanische Restaurants und Läden es in der Innenstadt Astanas gibt. Scheinbar entstand aufgrund von Deportationen und wirtschaftlicher Migration während des Stalin-Regimes eine koreanische Minderheit in Kasachstan, deren Einfluss bis heute spürbar ist und durch die koreanischen Popkultur weiter verstärkt werden. Nach einem leckeren koreanischen Abendessen, besuchten wir die bunt beleuchteten Fontänen des singenden Brunnens (der aber nicht sang…) und bewunderten die Skyline Astanas bei Nacht. 

Die restliche Zeit unseres Aufenthaltes verbrachten mit „klassischem“ Sightseeing: wir genossen den Sonnenuntergang vom Baiterek-Turm aus, flanierten durch die Khan Shatyr-Shoppingmall (das grösste Zelt der Welt!), besichtigten die Nur-Astana-Moschee und das kasachische Nationalmuseum, welches die kasachische Kultur auf sehr liebevolle Art vermittelt.

In Astana hat es nicht sehr viele Touristen. Auch das übliche touristische Gewerbe (z.B. Souvenirshops etc.) ist kaum vorhanden. Die wenigen Touristen, die wir sahen, waren meist aus Kasachstan selbst oder aus Russland. Auch wenn die Sprachbarriere sehr gross ist (kaum jemand spricht Englisch), wurden wir stets warmherzig willkommen geheissen. So half uns beispielsweise eine Kellnerin in einem Café bei der Navigation des verfluchten Busticket-Kaufs.

Nach zwei Tagen war es bereits Zeit für die Abreise. Wir fuhren mit dem Bus (hurra, endlich funktionierts!) zum Bahnhof, wo wir einen modernen Talgo-Nachtzug nach Almaty bestiegen. Der Zug war sehr komfortabel und so sauber, wie kein Nachtzug zuvor. Für jeden Waggon gibt es einen designierten Zugbegleiter oder Zugbegleiterin. Zudem gibt es Wasserspender mit wahlweise gekühltem oder kochendem Wasser! Neben einem Speisewagen gibt es auch einen lebhaften Bar-Waggon, wo fleissig Wodka ausgeschenkt und getrunken wurde. Dazu wurden Vareniki (mit Kartoffel gefüllte, gedämpfte Teigtaschen) und Laghman (leicht pikantes kasachisches Nudelgericht mit Gemüse und Fleischstückchen) gegessen. Leider hatten wir uns bereits vor der Abfahrt mit genügend Proviant eingedeckt, und so müssen wir unsere erste Mahlzeit im kasachischen Speisewagen auf die nächste Fahrt verschieben. Diese findet zum Glück schon bald statt.

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