Nach fast einem Monat und etlichen Zugfahrten in China trauen wir uns, einige Tipps für künftige Reisende in China zu geben und das Zugsystem Chinas zu erklären.
Das Internet
Bekanntlicherweise ist das Internet in China streng kontrolliert und zensiert. Das führt dazu, dass viele alltägliche Webseiten und Apps nicht oder eingeschränkt funktionieren. Alle Dienste von Google (inklusive Youtube und Gmail) und Facebook (inklusive Whatsapp) sind gesperrt. OneDrive funktioniert ebenfalls nicht, Outlook jedoch schon (es sei denn, Anhänge werden auf OneDrive gespeichert…). Theoretisch könnte man die Sperre mit einem VPN umgehen. Leider sind auch die meisten VPN blockiert. Klingt kompliziert und mühsam, ist aber halb so schlimm. In der Praxis ist es so, dass die Einschränkungen nur gelten, wenn man über ein chinesisches WLan auf das Internet zugreift. Man kann also eine Touristen-eSIM mit Datenvolumen kaufen (z.B. bei Trip.com) und wie gewohnt weitersurfen. Da chinesische WLans für westliche Bedürfnisse fast nutzlos sind, lohnt es sich, ausreichend Daten zu kaufen.
Wie alle anderen Dienste von Google ist auch Google Maps gesperrt und man kann die Sperre wie oben erwähnt umgehen. Leider sind aber auch kaum Einträge in China vorhanden, weshalb Google Maps so oder so nicht wirklich verwendet werden kann. Als Alternative bietet sich hier Amap an, die auch als App verfügbar ist.
Die Sprachbarriere
In China wird, nicht überraschend, vor allem Chinesisch gesprochen. Englisch sprechende Personen trifft man fast nie an. Ein Übersetzungs-App auf dem Handy (Google Translate funktioniert in chinesischen WLans nicht, siehe oben) ist deshalb sinnvoll, insbesondere eine App, mit der auch Kamerabilder übersetzt werden können. Für uns hat sich eine Kombination aus Deepl und Google Translate (im Offline-Modus oder via eSim) bewährt.
Unterkünfte in China
Im Gegensatz zu anderen Ländern, ist es in China für Ausländer*innen eher mühsam Ferienwohnungen zu mieten. Dies, weil Reisende für jeden Aufenthalt bei den lokalen Behörden registriert werden müssen, was normalerweise von den Hotels erledigt wird. Bucht man eine Ferienwohnung, muss man die Registration oft selbst vornehmen, was ohne Chinesischkenntnisse schier unmöglich ist. Aus diesem Grund buchten wir während unseres Aufenthalts in China stets Hotels und sogenannte Homestays.
Der Unterschied zwischen Hotels und Homestays ist nicht riesig. In unserer Erfahrung sind Homestays meist kleine Hotels mit circa 10 Zimmern und einem etwas persönlicheren Umgang mit dem Personal, da oft nur 1-2 Personen an der Rezeption arbeiten. Oft ist die Ausstattung von Homestays ein bisschen origineller und manchmal leben auch Haustiere in den gemeinsamen Bereichen. Hotels gehören hingegen meist zu grossen Ketten und sind weniger persönlich, dafür weiss man genau, was einem erwartet. Wir haben Homestays bevorzugt, weil man einfacher mit den Angestellten und anderen Gästen in Kontakt kommt.
Zur Buchung von Unterkünften: Wir haben sämtliche Unterkünfte via Trip.com gebucht und waren sehr zufrieden. Es ist jedoch sehr wichtig, genau nachzulesen, welche Ausstattung ein spezifisches Zimmer hat, z.B. ob Fenster vorhanden sind und ob das Zimmer ein Raucher- oder Nichtraucherzimmer ist.
Zum Preis: Unterkünfte sind für westliche Verhältnisse sehr preiswert und es ist einfach, eine gute Unterkunft für ca. 30 Franken pro Nacht zu finden.
Alipay und WeChat
Praktisch jedes andere Land, welches wir bis jetzt bereist haben, nutzt eine Kombination aus Bargeld und Karten für Zahlungen. Nicht so China: Kreditkarten werden höchstens in 5-Stern-Hotels akzeptiert und Bargeld führt mit grosser Zuverlässigkeit zu Schweissausbrüchen, weil kein Wechselgeld vorhanden ist. Wir sind mit 300 Yuan (ca. 30 Franken) in China eingereist und haben nach einem Monat immer noch die Hälfte übrig. Wie also bezahlt man in China? Die Antwort auf diese, aber auch auf viele andere Fragen lautet Alipay und WeChat. Diese zwei Apps sind für eine Chinareise zwingend nötig.
WeChat ist eine Mischung aus Twint und Whatsapp. Man kann mit Personen chatten, die man zuvor als Kontakt hinzugefügt hat. Die Chats können automatisch in der App übersetzt werden, was in China sehr praktisch ist. Zudem kann man Zahlungen durchführen, indem man die allgegenwärtigen QR-Codes scannt. Bei Hotelbuchungen kommuniziert man praktisch immer per WeChat mit den Hotelangestellten.
Alipay ist eher auf Zahlungen ausgelegt. Zudem kann man den öffentlichen Nahverkehr benutzen, indem man ein Ticket direkt in der App kauft und damit in Busse und U-Bahnen einsteigen kann.
Viele Restaurants haben keine Speisekarte mehr, dafür neben dem QR-Code für Zahlungen einen zweiten QR-Code. Diesen kann man mit einer der beiden Apps einscannen und gelangt so zum Portal des Restaurants, wo man das Essen bestellen und gleich bezahlen kann. Es gibt eine eingebaute Übersetzungsfunktion und so versteht man sogar, was man eigentlich bestellt. Dank dieser Funktion sitzt man im Restaurant oft einfach an einen Tisch, bestellt und bezahlt das Essen mit einer der beiden Apps und das Essen wird dann serviert.
Mit Alipay und WeChat kann man auch Essen bestellen, Zugtickets kaufen, ein Taxi rufen und vieles mehr. Als Faustregel in China gilt: beinhaltet eine Aktivität eine finanzielle Transaktion, dann kann diese mit den beiden Apps durchgeführt werden.
Als Ausländer*in ist die Installation der Apps nicht ganz einfach. Man muss eine Kreditkarte für die Zahlungen hinterlegen und ein Foto des Passes hochladen. Es kann vorkommen, dass die Apps vorübergehend wegen „verdächtiger Aktivitäten“ gesperrt werden. Dann muss man weitere Belege hochladen, z.B. ein Foto von einem, wie man den eigenen Reisepass in den Händen hält. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten funktionieren die Apps dann meist aber tadellos.
Zugfahren in China
Grundsätzlich ist Zugfahren in China einfach, schnell, bequem und die Züge sind sehr pünktlich. Es gibt allerdings einige Unterschiede zur SBB.
Züge
In China wird zwischen langsamen Zügen und Hochgeschwindigkeitszügen unterschieden. Die ersteren sind, nicht überraschend, relativ langsam, verkehren in abgelegeneren Gebieten und sind für touristische Bedürfnisse wenig relevant. Die letzteren erkennt man an einer Zugnummer, die mit C, D oder G beginnt (G-Züge sind mit bis zu 350 km/h am schnellsten) und verkehren zwischen grossen Städten. Daneben gibt es Nachtzüge. Wir haben nur einen eher älteren Nachtzug von Alashankou nach Ürümqi genommen und waren nicht sehr überzeugt. Offenbar gibt es noch andere, modernere Nachtzüge, diese sind durch die Hochgeschwindigkeitszüge aber weitgehend obsolet.
In den Hochgeschwindigkeitszügen herrscht striktes Rauchverbot. In den anderen Zügen gibt es Raucherbereiche und faktisch wird überall geraucht.
Klassen
Da wir – bis auf den einen oben erwähnten Nachtzug – ausschliesslich Hochgeschwindigkeitszüge genutzt haben, beschränken wir uns auf diese.
Die teuerste Klasse wird Business Class genannt. Es hat nur drei Sitze pro Reihe, die fast zu einem Bett umfunktioniert werden können. Auf längeren Strecken wird eine Mahlzeit serviert. Die Business Class ist sehr teuer; wir haben sie deshalb nie genutzt.
Die erste Klasse ist günstiger als die Business Class, aber immer noch sehr komfortabel. Die Lehnen der Sitze (vier Sitze pro Reihe) können zurückgestellt werden und es hat Fussstützen. Meist bekommt man kurz nach der Abfahrt eine kleine Flasche Wasser oder Orangensaft und ein kleines Snackpaket, das Cracker, Rosinen, Nüsse und ähnliches enthält. Wir haben meist die erste Klasse gebucht und waren sehr zufrieden.
In Zügen ohne Business Class gibt es stattdessen sogenannte Premier Seats. Diese ähneln der ersten Klasse, befinden sich aber in einem separaten Bereich des Zuges, wodurch man mehr Ruhe hat. Leider sind die Sitze weniger bequem und haben weniger Beinfreiheit. Da sie auch noch teurer als die erste Klasse sind, lohnen sich die Premier Seats nicht. Wir haben nur einmal aus Neugier welche gebucht und waren ein wenig enttäuscht.
Die zweite Klasse ist deutlich enger (5 Sitze pro Reihe) und weniger bequem. Da sie nicht viel billiger als die erste Klasse ist, haben wir sie nie benutzt.
Sind alle Sitze ausverkauft, kann man auch noch sogenannte Standing-Tickets kaufen. Mit einem solchen Ticket darf man den Zug besteigen und in der zweiten Klasse sitzen, wenn es Platz hat. Ansonsten muss man stehen oder auf dem Boden sitzen. Erstaunlicherweise sind Standing-Tickets gleich teuer wie die zweite Klasse, deshalb sollte man sie nur kaufen, wenn man unbedingt einen bestimmten Zug nehmen muss und alles andere ausverkauft ist. Da trotz allem viele Leute Standing-Tickets kaufen, ist die zweite Klasse meist voller Leute, die zwischen den Waggons oder in den Gängen stehen und sitzen.
Tickets
Tickets können 15 Tage vor Abfahrt gekauft werden und sind an einen bestimmten Zug gebunden. Dies kann man über die offizielle 12306-App machen, was aber für ausländische Personen nicht eher kompliziert ist. Einfacher ist es, die Tickets über Trip.com zu buchen. Dort kann man die Tickets auch vorreservieren und das System versucht sie dann zu buchen, wenn der Ticketverkauf beginnt.
Die Züge sind im Allgemeinen voll belegt, deshalb sollte man früh genug buchen. Wir haben die Möglichkeit der Vorreservation rege genutzt und konnten so praktisch immer unseren gewünschten Zug bekommen.
Stornieren und Ändern der Tickets ist unkompliziert und kostet nicht viel. Diese Möglichkeit haben wir bei unseren Planänderungen oft genutzt und waren sehr froh darüber.
Bei der Ticketbuchung muss man die Ausweisnummer angeben. Man bekommt im Anschluss kein Ticket, sondern kann den Zug besteigen, indem man seinen Pass zeigt.
Am Bahnhof
Chinesische Bahnhöfe sollte man wie Flughäfen betrachten, dann sind sie nicht sehr kompliziert. Will man einen Bahnhof betreten, muss man eine Sicherheitskontrolle passieren. Das Gepäck wird durchleuchtet (einmal wurde es auch von Hand durchsucht), Flüssigkeiten kontrolliert und man selbst wird je nach Ort per Metalldetektor oder durch Abtasten kontrolliert. Manchmal wird auch eine Passkontrolle durchgeführt. Im Allgemeinen sind die Sicherheitsvorkehrungen deutlich strenger im Westen des Landes (Xinjiang). Die Sicherheitskontrolle kann unter Umständen recht lange dauern, deshalb sollte man ca. eine Stunde vor Abfahrt am Bahnhof sein.
Im Bahnhof angekommen befindet man sich in einer (meist gigantischen) Wartehalle mit Geschäften und Restaurants. Es gibt Trinkwasser und auch Heisswasser, das von Einheimischen rege zur Zubereitung von Instant-Ramen genutzt wird.
15-20 Minuten vor Abfahrt wird das Check-in geöffnet und man kann durch das Vorweisen des Passes das Perron betreten und schliesslich den Zug besteigen. Die Schlange beim Check-in ist meistens chaotisch, aber mit Geduld geht es gut. Als Tourist muss man den Pass manuell kontrollieren lassen, weil die automatischen Ausweisscanner nur mit chinesischen Identitätskarten zurechtkommen.
Im Zug
Auf der Armlehne jedes Sitzes klebt ein QR-Code, der mit WeChat oder Alipay gescannt werden kann. Auf diese Weise bekommt man Informationen zum Zug und zur Route und man kann ausserdem Essen direkt an den Platz bestellen, entweder aus dem Speisewagen oder aus Restaurants in grösseren Bahnhöfen. In letzterem Fall wird das Essen vom Restaurant aufs Perron gebracht und an das Zugpersonal übergeben, das es dann zum Platz bringt.
Alle Züge verfügen über Heisswasserspender zum Zubereiten von Tee und Instant-Ramen. Die Toiletten werden regelmässig geputzt und sind meist sehr sauber. Kurz vor Ankunft wird man vom Personal darauf aufmerksam gemacht, dass man den Zug nun verlassen muss.








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