Im Zug durch die Welt

Ein langsames, gemütliches Reisejournal

Ankunft

Schon früh am Morgen unserer Überfahrt wurden wir durch Durchsagen geweckt. Leider waren diese ausschliesslich auf Chinesisch und Koreanisch und so wussten wir nicht, was genau angekündigt wurde. Vermutlich ging es aber um die Öffnungszeiten des Bordrestaurants, denn wir kamen erst einige Stunden später in Incheon, einer Hafenstadt in der Nähe von Seoul, an.
Die Einreise nach Südkorea verlief unkompliziert und speditiv und wir konnten uns schon bald auf den Weg nach Seoul machen. Dazu mussten wir einen Bus finden, der uns vom Hafen zum nächsten U-Bahnhof bringen würde. Wir irrten verwirrt umher, bis uns ein freundlicher Herr zum richtigen Bus brachte und dem Chauffeur einschärfte, uns bei der richtigen Haltestelle herauszulassen. Von da an klappte alles gut und wir waren bald in unserem kleinen Apartment im Stadtteil Chungmuro.

Der Gyeongbokgung-Palast

Als erstes besichtigten wir den Gyeongbokgung-Palast, welcher von der Joseon-Dynastie errichtet und mehrmals zerstört und wieder aufgebaut wurde. Zuletzt wurde 1990 eine grossangelegte Rekonstruktion des Palastes begonnen, dessen Resultat man heute bestaunen kann. Trotz des kalten Wetters war der Palast gut besucht. Viele Besuchende trugen Hanbok, traditionelle koreanische Kleidung, welche unweit des Palastes in unzähligen Geschäften gemietet werden konnte. Interessanterweise erhielten Hanbok-tragende Personen freien Eintritt in den Palast.
Auf dem Palastgelände befindet sich das National Palace Museum of Korea, welches eine grosse Sammlung von persönlichen Gegenständen des kaiserlichen Hofes der Joseon-Dynastie besitzt. Zum Zeitpunkt unseres Besuches fand ebenfalls eine interessante Sonderausstellung zum Thema Restauration statt, in welcher Einblicke in Restaurationsprozesse gegeben wurden. Bei verschiedenen Exponaten wurde dann auch die Meinung der Besuchenden abgefragt, welche Aspekte der Restauration als besonders wichtig empfunden werden: 1) Einsatz möglichst traditioneller Materialien und Prozesse, 2) Balance aus traditionellen Materialien / Prozessen und Langlebigkeit der Restauration, 3) Langlebigkeit der Restauration, dafür Verwendung moderner Materialien.

Kälte und Luftverschmutzung

Am nächsten Tag erreichten uns schon frühmorgens staatliche Warnmeldungen auf dem Handy; die Luftverschmutzung war so hoch, dass Aufenthalte im Freien vermieden und Masken getragen werden sollten, wenn man doch nach draussen geht. Die Luftverschmutzung und auch die Kälte, die wir nur mit Einweg-Heizbeuteln überstanden, beeinflussten unsere Tagesprogramme der nächsten Tage deutlich. Zuerst legten wir einen Ruhetag ein, Aurelio recherchierte über die weiteren Stationen unserer Reise und Sophie stickte. Danach besuchten wir den Dongdaemun-Design-Plaza, in welchem wir verschiedene Ausstellungen besuchten und schlenderten über den berühmten Gwangjang-Markt, wo wir natürlich auch bei den Essensständen einen Zwischenhalt einlegten.

Am kältesten Tag nahmen wir die Metro aus dem Zentrum raus und besuchten ein grosses Jjimjilbang, ein koreanisches Badehaus mit vielen Saunas. Der Badebereich ist geschlechtergetrennt und wird nackt betreten. Zuerst wäscht man sich gründlich, danach kann man die unterschiedlich heissen Bäder (ca. 20 – 43° C) benutzen. Wer Lust hat, kann sich im Massagebereich von einer mittelalterlichen Frau / einem mittelalterlichen Mann mit einem groben Tuch alle tote Haut abschrubben lassen – eine spezielle Erfahrung, danach ist die Haut aber butterzart! Nach dem Baden zieht man eine Art Pyjama an und trifft sich im Saunabereich, der nicht mehr geschlechtergetrennt ist. Hier besucht man verschiedene Saunaräume, isst Eier und trinkt Sikhye – ein erfrischendes Reisgetränk (siehe Bild unten). Gäste verbringen oft Stunden in Jjimjilbangs und nun wir verstehen auch warum: besonders im Winter ist es eine Wohltat, einen Nachmittag dort zu verbringen!

Seollal

Wie in früheren Beiträgen erwähnt, wollten wir dem Trubel des Chinesischen Neujahrs entgehen, indem wir vor Beginn der Neujahrswoche nach Südkorea übersetzten. Dies bedeutete aber auch, dass wir uns stattdessen während Seollal, dem koreanischen Neujahrsfest, in Südkorea aufhielten. Seollal ist eine eher ruhige Angelegenheit: die Menschen verbringen die Tage mit ihren Familien und viele Geschäfte sind geschlossen.
Die zweite Hälfte unseres Aufenthalts in Seoul fiel auf Seollal und so erlebten wir Seoul von einer ganz anderen Seite. Unser Quartier, das sonst abends immer sehr lebhaft war, war verlassen, die Neonreklamen ausgeschaltet. Quartiere mit kleinen Handwerksgeschäften waren komplett zu und Restaurants zu finden wurde eine Herausforderung. Aus diesem Grund verbrachten wir die Tage um Seollal hauptsächlich mit der Erkundung verschiedener Quartiere und Hanok Villages (traditionellen Quartieren), tranken viel Kaffee und assen noch mehr feines Gebäck. Ausserdem machten wir noch einen Spaziergang zum Seoul Tower, der hoch über die Stadt ragt.

Textilmarkt

Als wir zum ersten Mal über den Gwangjang-Markt schlenderten fielen uns bereits viele Stoffgeschäfte auf. Da wir aber zu müde waren, planten wir an einem späteren Tag wieder zurückzukehren. Leider stellte sich heraus, dass die Stoffgeschäfte auch in den Tagen nach Seollal geschlossen blieben. Am allerletzten Tag empfahl uns aber ein freiwilliger Touristenführer den nahen Dongdaemun-Textilmarkt, ein riesiger Komplex mit unzähligen Stoffgeschäften. Wir machten uns natürlich sofort auf den Weg und waren absolut überfordert von der schieren Grösse des Markts. Er erstreckte sich auf 6 Stöcken über mehrere Gebäude hinweg! Südkorea designt und produziert viele Kleider und Accessoires, dementsprechend gibt es auch viele Stoffhersteller. Neben Ramie und Seide ist auch koreanischer Leinen sehr hochwertig und Sophie musste natürlich zuschlagen. Die meisten Verkäufer haben vor Ort aber nur Stoffmuster, was bedeutet, dass man den Stoff erst am nächsten Tag abholen kann. Der nette Verkäufer schickte uns den Stoff aber sogar nach Busan, da wir am nächsten Tag bereits am Morgen abreisten…

Südkoreanisches Essen

Auch wenn wir beide noch nie in Korea waren, freuten wir uns wahnsinnig auf die koreanische Küche! Diejenigen Gerichte, die wir bereits kennen schmecken uns nämlich sehr gut. Da das Wetter sehr kalt war und wir oft völlig durchfroren waren, assen wir viele Eintopfgerichte, aber natürlich auch koreanisches Barbecue, Tteokbokki, Ramyun, Bossam und andere Gerichte, deren Namen wir nicht kennen. Für uns waren auch Banchan, die inbegriffenen Beilagen / Vorspeisen ein Highlight, wir lieben Kimchi und andere eingelegte Gemüse und kamen deshalb voll auf unsere Kosten.

Neben traditionelleren Gerichten besuchten wir fast jeden Tag Cafés und Bäckereien, um uns zwischendurch aufzuwärmen. Aus irgendeinem Grund scheinen Scones gerade sehr angesagt zu sein, aber wir probierten auch spannendere Kreationen, wie zum Beispiel ein flach gewalztes Croissont, das nochmals gebacken wurde und so zu einem schon fast überdimensionierten Keks wurde. Wir verlassen Korea wohl einige Kilos schwerer, bereuen aber nichts!

Busan

Nach etwa 10 Tagen in Seoul reisten wir mit dem Zug weiter in den Süden, in die Hafenstadt Busan. Von dort planten wir, die Fähre nach Shimonoseki in Japan zu nehmen. Aufgrund des stürmischen Wetters wurde unser Aufenthalt in Busan etwas länger als ursprünglich geplant. Wir genossen einige ruhige Tage, besuchten das Spaland, eines der grössten Jjimjilbang Koreas und nutzten die Gelegenheit, administrative Arbeiten zu erledigen. Dazu gingen wir am liebsten ins Café Dante, welches dem gleichnamigen Hostel angehängt ist. Neben einer wahnsinnig freundlichen Inhaberin begrüsste uns jeweils Dante, der Caféhund.
Nach etwa einer Woche in Busan bestiegen wir am 26. Februar die Fähre nach Shimonoseki. Nachdem wir die berühmte Brücke von Busan passiert hatten, merkten wir, dass das Meer auch an diesem Tag noch recht aufgewühlt war und verzogen uns rasch in unsere Kabine. Mit Medizin gegen Seekrankheit war die Überfahrt dann auch auzuhalten, aber definitiv nicht sehr angenehm…

Posted in

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Im Zug durch die Welt

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen