Schon in Hongkong tauchten die ersten Vorboten des Chinesischen Neujahrsfestes auf, Pferdesymbole (Jahr des Pferdes) und Glücksbringer fanden sich an jeder Ecke wieder. Für uns bedeutete dies, dass es Zeit wurde, weiterzureisen, um dem Trubel und den Millionen anderen Reisenden auszuweichen. Denn ähnlich wie im Oktober (Ferien um den Nationalfeiertag Chinas) haben über die Neujahrstage die Mehrheit der Chinesischen Bevölkerung frei und nutzen die Ferien meist, um die Verwandtschaft zu besuchen und gemeinsam zu feiern oder aber zu verreisen. Züge, Hotels und Attraktionen sind deshalb zu dieser Zeit knallvoll und das Reisen viel weniger entspannt.
Dementsprechend reisten wir weiter nach Norden, zuerst nach Shanghai, dann nach Qingdao, von wo wir mit der Nachtfähre nach Südkorea übersetzten.
Shanghai
Genau wie bei unserer Reise nach Hongkong, legten wir einen Zwischenstopp in Shenzhen ein, bevor wir mit einem Hochgeschwindigkeitszug nach Shanghai weiterreisten. Die Reise dauerte etwas über sieben Stunden und wir legten über 1500 Kilometer zurück! In Shanghai angekommen, erschraken wir sogleich über die Temperatur, die tagsüber knapp über und nachts unter dem Gefrierpunkt lag. Gezwungenermassen mussten wir unsere Ausrüstung ergänzen: Wir besorgten Thermoshirts von UNIQLO und behalfen uns mit Wärmebeuteln, die wir in unsere Kleider klebten. Trotzdem waren unsere Möglichkeiten, etwas zu unternehmen doch recht beschränkt, da es auch noch regnete und teilweise sogar schneite.
Da der erste Abend noch etwas milder war, nutzen wir ihn, für einen Abendspaziergang entlang des Bunds, der Flusspromenade Shanghais. Unser Weg führte uns durch eine überdimensionierte Shoppingmeile inklusive rauchenden Drachenstatuen in Silbergeschäften (?) zum Flussufer, das von historischen Gebäuden gesäumt ist. Die Uferpromenade selbst war derart gut besucht, dass es kaum möglich war, die Skyline auf der anderen Flussseite zu sehen. Als wir uns endlich einen Platz am Geländer erkämpft hatten, war die Aussicht dann aber spektakulär.


Auf Empfehlung eines Paares aus Shanghai, welches wir im Zug in Laos kennenlernten, machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum Yuyuan Garden. Der chinesische Garten wurde erstmals im 16. Jahrhundert angelegt, dann aber im 20. Jahrhundert zerstört und in seiner heutigen Form wieder aufgebaut. Gleich nebenan liegt der Tempel der lokalen Stadtgottheit, die noch heute verehrt wird. Um die historischen Gebäude wurde ein riesiger Wirrgarten aus historisch anmutenden aber touristischen Geschäften und Restaurants aufgebaut. Der Komplex war zum Zeitpunkt unseres Besuches natürlich bereits für das Neujahrsfest ausgiebig geschmückt.










In Shanghai befindet sich mit dem Shanghai Tower das höchste Gebäude Chinas. Im 118. Stock gibt es eine Aussichtsplattform, von welcher man einen Rundumblick über ganz Shanghai hat und auf die anderen, ebenfalls beeindruckend hohen Wolkenkratzer hinunterblicken kann. Sophie setzte den Ausflug aufgrund ihrer Höhenangst aus und so machte sich Aurelio alleine auf den Weg zum Shanghai Tower. Nachdem die in China allgegenwärtigen Metalldetektoren und Röntgengeräte am Eingang passiert waren, wurde man vor einem Greenscreen fotografiert. Danach konnte Aurelio endlich den Lift besteigen, welcher einem in einem atemberaubenden Tempo zur Aussichtsplattform brachte. Oben angekommen genoss er die Aussicht und schlenderte durch den obligaten Souvenirshop, der neben Modellen des Shanghai Towers – ganz dem Chinesischen Neujahr verschrieben – ebenfalls Schmuck in Pferdeform im Sortiment führte. Es gab auch die Möglichkeit, das Foto, welches am Eingang gemacht worden war, abzuholen, wovon Aurelio wegen der beängstigenden Menschenmenge aber absah.



Die Reise nach Südkorea
Die Reise nach Südkorea bestand aus einer weiteren Zugfahrt von Shanghai nach Qingdao (nichts Besonderes) und der Überfahrt von Qingdao nach Incheon über das chinesische Meer mit einer koreanischen Nachtfähre. Während der erste Teil für uns schon beinahe Routine war, war es relativ schwierig online Informationen zur Fähre zu finden, geschweige denn Tickets zu buchen. Wir wussten lediglich, dass die Fähre jeden zweiten Tag fährt und konnten auch überhaupt nicht einschätzen, ob die Fähre jeweils ausverkauft ist. Aus diesem Grund beschlossen wir, gleich nach der Ankunft in Qingdao zum Fährterminal zu fahren um – falls möglich – ein Ticket für die Fähre am gleichen Abend zu kaufen. Falls keine Tickets mehr verfügbar wären, würden wir zwei Tage in Qingdao verbringen und Fährtickets für die nächste Überfahrt kaufen.
Unser Vorgehen hat sich gelohnt, wir konnten eine halbe Stunde vor Ende des Boardings noch eine Zweierkabine ergattern und noch am selben Abend weiterreisen. Die Fähre ist ein wenig aus der Zeit gefallen und erinnert an ein schwimmendes Retro-Café. Neben erstaunlich gut ausgestatteten Privatkabinen (sogar mit Badewanne!), gibt es geschlechtergetrennte Schlafsääle, wo auf Tatamimatten übernachtet wird. Daneben gibt es an Bord ein Fumoir, zwei Cafés, Karaokeräume und einen kleinen Laden. Wir waren von unserer langen Reise aber wahnsinnig erschöpft und gingen recht früh zu Bett, ohne die Attraktionen in Anspruch genommen zu haben 😉




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