Im Zug durch die Welt

Ein langsames, gemütliches Reisejournal

Nach einer schaukeligen Nacht auf der Fähre von Busan erreichten wir am Morgen endlich den Hafen von Shimonoseki und durften – nach einer ziemlich gründlichen Grenzkontrolle (das erste Mal seit Alashankou wurde unser Gepäck durchsucht) – japanischen Boden betreten. Shimonoseki hat selbst nicht sehr viel zu bieten, deshalb wollten wir gleich weiter mit dem Zug nach Nagasaki reisen. Der Weg zum Bahnhof wurde uns von einem sehr freundlichen Polizisten erklärt, der uns noch gleich eine Karte mit auf den Weg gab.

Die Reise nach Nagasaki

Die Zugreise nach Nagasaki stellte sich als relativ kompliziert heraus. Mit einem lokalen Pendlerzug fuhren wir zunächst nach Kokura, von wo aus wir den Shinkansen nach Fukuoka nahmen. In Fukuoka machten wir eine kurze Pause und kauften Ekiben (Lunchboxen, welche an Bahnhöfen für die Verpflegung in Zügen verkauft wird). Von Fukuoka nahmen wir den Schnellzug nach Takeo Onsen und verspeisten unsere Ekiben; dort angekommen stiegen wir auf den letzten Shinkansen nach Nagasaki um. Nach diesem, insgesamt über 24 Stunden langen Reisemarathon waren wir froh, endlich wieder ein (nicht schaukelndes) Hotelzimmer beziehen zu können!

Nagasaki

Wir verbrachten zwei Nächte in Nagasaki und hatten deshalb nur einen Tag, um die Stadt zu erkunden. Als erstes besuchten wir das Atombombenmuseum Nagasakis, welches neben einer beeindruckenden Sammlung von Artefakten rund um den amerikanischen Atombombenabwurf auf die Stadt auch erschütternde Berichte von Zeitzeugen ausstellt. Obwohl das Museum äusserst sachlich über das Thema informiert, ist der Besuch schwer zu verdauen und wir verliessen das Gebäude sehr betroffen und bewegt.

Unweit des Atombombenmuseums liegt der Friedenspark von Nagasaki, der den Opfern der Atombombe gedenkt. Im Park finden sich Denkmäler für den Weltfrieden, die von verschiedenen Nationen gestiftet wurden.

Am Nachmittag spazierten wir durch die Chinatown Nagasakis und besichtigten den Glover Garden, ein Park, in welchem die ehemalige Residenz des gleichnamigen schottischen Händlers aus dem 19. Jahrhundert liegt. Auch wenn der Park relativ touristisch ist, bietet er eine schöne Aussicht über die Bucht von Nagasaki.

Nagasakis lokale Gerichte

Japan hat einen ausgeprägten Lokalpatriotismus was Essen angeht. Jede noch so kleine Stadt ist weithin bekannt für eines oder mehrere Gerichte. Wir versuchen deshalb, in jeder Station unserer Reise mindestens ein berühmtes Gericht zu essen und berichten natürlich auch darüber.

Nagasaki hat eine lange Geschichte als Handelsstadt und zwei Gerichte, die wir probiert haben, zeugen davon:

Castella ist ein Gebäck welches einem Biskuit ähnlich ist und besteht aus Mehl, Zucker, Eiern und Mizuane (jap. Zuckersirup). Es wurde von portugiesischen Händlern nach Nagasaki gebracht und wird mittlerweile in unzähligen Geschmacksrichtungen verkauft. Wir haben es in der originalen Art (sprich: ohne zusätzlichen Geschmack) und Pfirsich-Castella probiert. Letztere wurden wegen des anstehenden Mädchentages überall verkauft (Pfirsiche sind eines der Symbole dieses Festes), schmeckte aber leider nicht nach Pfirsich…

Kakuni Manju sind gedämpfte Brötchen, in dem ein Stück Schweinebauch steckt. Der Schweinebauch wird stundenlang in einer Mischung aus Sojasauce, Sake, Mirin, Zucker und Ingwer geschmort und ist so zart, dass er auf der Zunge vergeht. Dieses Gericht stammt ursprünglich aus China und wird in der Chinatown von Nagasaki als kleiner Snack zum Mitnehmen verkauft, wo wir es auch probiert haben. Leider haben wir vergessen, das Kakuni Manju zu fotografieren, weshalb wir uns mit einem Bild aus dem Internet behelfen müssen.

Positiv in Erinnerung bleiben uns auch unsere zwei Abendessen in Nagasaki. Am ersten Abend stiessen wir nach langer Suche (alles war zu oder voll) auf ein einfaches Restaurant. Beim Eintreten erklärten uns andere Gäste gleich, dass wir die Speisen aus der Vitrine nehmen müssen und die Angestellten die Gerichte dann passend aufwärmen. Am zweiten Abend assen wir in einer kleinen Izakaya (japanische „Kneipe“), die von einem netten Ehepaar geführt wurde. Das Publikum war bunt gemischt: Eine Familie mit kleinen Kindern, die Otterdokus schauten, eine junge Frau, die mit ihrer Mutter gerne Essen- und (vor allem) trinken geht und ein koreanischer Matrose, der sich auf seinem Landgang eine grosse Portion Sashimi gönnte. Der Besitzer hatte grosse Freude, mit Sophie ein wenig auf Japanisch zu plaudern und so verbrachten wir einen schönen Abend in angenehmer Gesellschaft.

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