Im Zug durch die Welt

Ein langsames, gemütliches Reisejournal

Endlich wieder eine neue Stadt zum Entdecken! Seit wir Anfangs Dezember im Süden Thailands waren, haben wir nur Orte besucht, die wir zuvor schon bereist hatten und waren deshalb froh, dass es nun weiter nach Hongkong ging.

Die Reise nach Hongkong

Mit dem Hochgeschwindigkeitszug brachten wir zunächst die Strecke von Kunming nach Shenzhen hinter uns. Obwohl die Strecke über 1400 Kilometer lang ist, brauchten wir nur 8 Stunden dafür. Shenzhen ist eine Metropole mit 18 Millionen Einwohnern und ist vor allem für ihre Elektronikindustrie bekannt. Hier wird beispielsweise ein Grossteil aller iPhones hergestellt und viele chinesische High-Tech-Unternehmen haben hier ihren Hauptsitz. Shenzhen liegt nur einige Kilometer von der innerchinesischen Grenze zu Hongkong entfernt, was auch der Grund ist, weshalb wir überhaupt dorthin reisten. Wir verbrachten eine Nacht am Nordbahnhof von Shenzhen und fuhren am nächsten Morgen weiter nach Hongkong. Glücklicherweise dauerte diese Teilstrecke nur 20 Minuten und wir mussten nach unserer Ankunft als Erstes eine Grenzkontrolle passieren, die aber rasch und unkompliziert verlief. Vermutlich wird dies die einzige Grenzkontrolle ausserhalb Europas sein, an welcher wir keinen Stempel in unseren Pass bekommen, stattdessen erhielten wir nur einen kleinen Papierzettel…

Obwohl Hongkong zu China gehört, herrscht eine ganz andere Atmosphäre als in anderen chinesischen Städten. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse wird jeder Quadratmeter ausgenutzt. Die unzähligen Geschäfte und Cafés sind fast ausnahmslos winzig und bieten meist nur einigen wenigen Kund*innen Platz und die Häuser wachsen sprichwörtlich in den Himmel: Hong Kong ist die Stadt mit den meisten Hochhäusern weltweit und es fühlt sich an, als würde man einen Wald voller Hochhäusern durchqueren. Durch die vielen Menschen auf so kleinem Raum ist alles ein bisschen chaotischer und lebendiger als in anderen chinesischen Städten. Die Zeit als britische Kolonie wirkt in vielen Bereichen – von der Sprache über die Küche bis zu den Schuluniformen – bis heute nach. Für uns bedeutete dies, dass die Sprachbarriere glücklicherweise weitaus kleiner war und viele Menschen ein wenig Englisch sprachen.

Hongkong Island

Auf Empfehlung einer guten Freundin (danke Kiah!) wählten wir eine Unterkunft in Wan Chai, einem Viertel auf Hongkong Island. Wan Chai liegt zentral, ist gut an den Öffentlichen Verkehr angeschlossen (Metro, Fähre und Tram) und noch nicht so hip wie andere Viertel auf der Insel. Es gibt einen recht grossen Markt für Alltagsgegenstände und Lebensmittel aber auch kleine Parks, Tempel und Restaurants.

Als erstes erkundeten wir Hongkong Island per Tram. Es gibt eine Tramlinie, die entlang der Nordküste der Insel verkehrt und von alten, doppelstöckigen Trams bedient wird. Diese fahren relativ gemächlich, sind günstig, charmant und bieten im oberen Stockwerk eine ungehinderte Sicht auf das Treiben der Stadt, was für uns natürlich sehr attraktiv war. Einige Stationen weiter stiegen wir aus, spazierten durch das Quartier Central und besuchten das PMQ, eine ehemalige Polizeikaserne, welche nun Ateliers und Läden beherbergt, in denen man stundenlang herumstöbern kann. Im Erdgeschoss befindet sich auch eine kleine Ausstellung zum Buchdruck in Hongkong, inklusive einer beeindruckenden Sammlung von Druckformen für chinesische Schriftzeichen.

Victoria Peak

An einem der folgenden Tagen machten wir einen Ausflug zum Victoria Peak, dem Hausberg von Hongkong. Ähnlich wie beim Gurten erfolgt der Aufstieg per Standseilbahn, diese ist aber schon fast beängstigend steil (bis 48% Steigung) und unglaublich touristisch. Oben angekommen wurden wir mit den anderen Passagieren als erstes in ein Touristen- und Shoppingzentrum geschleust, in dem sich aber auch eine Aussichtsplattform befindet, von welcher man einen wunderschönen Blick über die Stadt hat. Nach den obligaten Fotos von der Plattform aus nahmen wir den Rundweg, wechselten dann aber zum Morning Trail, welcher zurück in die Stadt führt und waren sehr erleichtert, dass sich die Menschenmassen schnell auflösten. Bald waren wir fast alleine unterwegs und genossen die – für Hongkong – ungewöhnliche Ruhe.

Kowloon

Wir erkundeten auch Kowloon, welches gegenüber von Hongkong Island auf dem Festland liegt und um ein Vielfaches grösser ist. Von Hongkong Island gelangt man entweder mit der U-Bahn oder mit der Fähre nach Kowloon. Letzteres ist vor allem nachts sehr schön, da man dann einen guten Blick auf die bunt beleuchtete Skyline Hongkongs hat. Wir spazierten zu Fuss durch die Quartiere Tsim Sha Tsui wo es ausserordentlich viele Luxusgeschäfte hat und Jordan, mit kleineren Läden für Alltagsartikel und vielen Cafés. Dort assen wir auch im recht berühmten Australia Dairy Company unser Mittagessen. Australia Dairy Company ist ein Cha Chaan Teng, ein für Hongkong typisches Café, in welchem es eine Mischung aus Kantonesischen und westlichen Speisen gibt, z.B. Pineapple Buns, Satay Beef Noodles, French Toast, Char Siu und Pudding, dazu gibt es Milchtee. Im Quartier Sham Shui Po kauften wir Stoff für Sophies Quilt-Projekt auf einem riesigen, aber fast menschenleeren Stoffmarkt. Eine Stoffverkäuferin empfahl uns, eine Ausstellung zu historischen Neon-Schildern zu besuchen, was wir natürlich auch taten.
In Kowloon befindet sich auch das Xiqu-House, welches traditionelle kantonesische Opern aufführt. Wir besuchten eine „Einführungsveranstaltung“, welche verschiedene Elemente der kantonesischen Oper erläutert und anhand ausgewählten Stücken demonstriert.

Essen in Hongkong

In Hongkong ist das kulinarische Angebot unglaublich vielfältig und gutes Essen wird zelebriert. Nicht selten sahen wir Menschenschlangen vor Restaurants und Cafés, in welchen Menschen vermutlich stundenlange warteten. Auswärts essen stellte sich jedoch auch als recht kostspielige Angelegenheit heraus, wir waren wohl etwas uninformiert und naiv, aber uns war nicht bewusst, wie teuer Hongkong und somit auch das Essen eigentlich ist. Wir waren wahnsinnig froh, in unserer Unterkunft eine (sehr) kleine Küche zu haben, wo wir uns zumindest unser Frühstück und teilweise auch Abendessen selbst zubereiten konnten.

Für uns ist es unmöglich, einen Überblick über die Küche Hongkongs zu geben; zu vielfältig und kulturell vielschichtig ist diese. Wir können aber über die Gerichte berichten, die uns besonders gut geschmeckt haben:

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